Geschenke des Spätsommers

Am ersten September, einem sonnigen Samstagmorgen, begann für eine Gruppe pflanzenbegeisterter  Frauen ein neues Ausbildungsjahr in der Heilpflanzenschule Alchemilla.
Nach einer kleinen Einführung und einem ersten Kennenlernen starteten wir auch gleich ins Thema.
Wir stellten fest, dass es doch einige sprachliche Verwirrungen bei der Bezeichnung von Beeren und Früchten gibt. So sind Kürbisse, Tomaten und Gurken im botanischen Sinne Beeren.  Himbeeren und Brombeeren sind dagegen botanisch gesehen Sammelsteinfrüchte und Erdbeeren Sammelnussfrüchte.

Überhaupt kann man nur begeistert sein über die unglaubliche Fülle an Formen und Strategien, die Pflanzen bei ihrer Samen- und Fruchtbildung hervorbringen. Sie „bauen“ z.B. Schirmchen, Katapulte oder Kapseln, versehen ihre Samen mit haftenden Härchen oder umschließen sie mit farbigem, saftigen und lockendem Fruchtfleisch, so dass Vögel und andere Tiere nicht widerstehen können und so zum „Geburtshelfer“ für eine neue Pflanzengeneration werden.

Nach diesem Blick auf die Botanik wandten wir uns ausgewählten Pflanzen zu.  Hagebutte, Schlehe, Him- und Brombeere, Wacholder und Apfel wurden ausgiebig  besprochen, betrachtet  und auch probiert.
Wir stellten außerdem den schwarzen Holunder in unsere Mitte, von dem man in früheren Zeiten glaubte, dass die Hausgöttin, die Hollermutter, in ihm wohne und der deshalb hoch verehrt wurde.
Damals  „banden“  Menschn ihre Krankheiten mit einem Sprüchlein an den Holunder, überzeugt, dass die Pflanze die Krankheit  übernehme und sie selbst geheilt seien.

HolunderblüteIn der heutigen Zeit nutzen wir den vitaminreichen Saft der Holunderbeeren
(in Schleswig-Holstein allgemein Fliederbeeren genannt)  in der kalten Jahreszeit zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen und trinken einen Blütentee, um so richtig ins Schwitzen zu kommen.
Ein gekochtes Fliederbeeren-Mus wirkt sanft abführend und der Beerensaft soll auch gegen Hexenschuss hilfreich sein. Vorsicht ist allerdings vor dem Verzehr der rohen Beeren geboten, sie wirken leicht giftig, führen zu Übelkeit und Unwohlsein.
Erst durch Erhitzen werden die „giftigen“ Inhaltsstoffe unschädlich.

Nach einem reichlichen Mittagessen, bei dem wir uns durch all die mitgebrachten Köstlichkeiten probierten, erkundeten wir die nähere Umgebung des Bürgerhauses.

Wir besuchten den Klostergarten mit seinen Heilpflanzen und die Wege um den Bordesholmer-See, an deren Rand eine Fülle von Wildkräutern zu finden ist.
Neben Mädesüß, Ziest, Springkraut und Weidenröschen, entdeckten wir auch Wolfstapp, bittersüßen Nachtschatten und Wasserminze.

Wieder zurück im Bürgerhaus, rundeten praktisches Herstellen einer traditionellen Ringelblumensalbe und eines leckeren und gesunden Brombeerenessigs diesen ersten Tag in schöner Weise ab.