Die (un)geliebte Brombeere

Es ist Ende Januar, der Winter war bisher grau und nass, doch nun gibt es ein paar kalte aber hellere und freundlichere Tage und mich zieht es in den Garten. Beim genaueren Hinschauen kommt Freude auf, denn es sprosst schon ganz ordentlich. Erste, zarte Blätter des Scharbockskrautes überziehen das Braun des welken Laubes unter den Bäumen, hier und da läuten Schneeglöckchen und recken ihre Blütenköpfchen in das fahle Licht der Wintersonne. Grün gibt es auch zu bewundern, an den Ranken der vielen Brombeersträucher.
Es trotz auch dem frost-kalten Winter.

Verbreitung und Aussehen
Bei ihrer Ausbreitung gehen Brombeeren sehr geschickt vor! Sie bilden meterlange, mit vielen Stacheln besetzte Triebe, die sich wie Bögen spannen, z.T. verzweigen und dort, wo sie wieder den Boden berühren Wurzeln bilden und neu ausschlagen. Stehen dabei Büsche und Bäume im Weg, nutzen sie diese als Kletterhilfe und lassen ihre Ranken in die Höhe wachsen. So weben sie nach und nach am Boden einen dichten Teppich, ranken aber auch in die Höhe und bilden einen nahezu undurchdringlichen Wall.  Für Vögel sind diese Schutzhecken kleine Paradiese! Sie bieten Schutz und Nistmöglichkeiten.

Die Brombeere gehört botanisch zur großen Familie der Rosengewächse.
Sie ist ein oft wintergrüner Strauch, der sich in ca. 300 Unterarten gliedert,
die z.T. auch in Kultur gezogen werden, dann größere Früchte tragen und kaum noch mit Stacheln besetzt sind.
Die Blätter der Brombeere sind drei- bis fünfzählig gefingert und haben einen gesägten Rand.
Auf der Oberseite sind sie glatt oder schwach behaart, auf der Unterseite mit Stacheln besetzt. Geerntet werden die jungen Blätter im Frühjahr und Sommer ohne Stiel. Sie sollten schnell, schonend und gründlich getrocknet werden.

Brombeer-Blätter-Tee
Brombeerblätter enthalten u.a. Gerbstoffe, Pflanzensäuren und Flavonoide. Brombeerblättertee wirkt stopfend, zusammenziehend und kühlend und wird therapeutisch bei leichten, unspezifischen Durchfällen eingesetzt oder zum Gurgeln und Spülen bei Entzündungen des Mundes und der Rachenschleimhaut genutzt.
Brombeerblätter gemischt mit Himbeerblättern geben einen wohlschmeckenden Tee von milder Wirkung, der gut als Haustee getrunken werden kann.
Besonders köstlich und rosig duftend ist der fermentierte Brombeer-Himbeer- Blättertee, bei dem die gesammelten und angewelkten Blätter mit einem Nudelholz gewalkt, mit Wasser besprüht und fest in ein Baumwolltuch gewickelt werden und dann einige Tage bei guter Wärme (25-30 °C) fermentieren. Eine genaue Anleitung findet man in vielen Kräuterbüchern oder im Internet.

Blüten und Beeren
Von Mai an bis in den späten Herbst hinein blüht die Brombeere.
Ihre fünfzähligen weißen oder auch zartrosa Blüten stehen in Trauben oder Rispen und sind oft gemeinsam mit Früchten in verschiedenen Reifegraden an einem Strauch zu finden.
Die Früchte sind botanisch keine Beeren, sondern Sammelsteinfrüchte.
Sie sind erst ab September tiefschwarz und erntereif und verströmen einen aromatischen Duft.

Reife Brombeeren enthalten Vitamine (C, B, A und E), Mineralstoffe, Spurenelemente, Anthocyane, Gerbstoffe und Flavonoide.
Ihr Saft wirkt kühlend, zusammenziehend, antioxidativ, harntreibend und blutbildend und kann therapeutisch bei Fieber gegeben werden.
Er wirkt außerdem lindernd bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und bei rheumatischen Beschwerden.
Natürlich kann man die Früchte auch einfach frisch vom Zweig genießen, sie einlegen oder zu Gelee oder Marmelade verarbeiten.
Ich koche mir sehr gern einen Beerenessig aus Brombeeren, Holunderbeeren, Balsamicoessig, etwas Honig oder Zucker und Gewürzen wie Zimt, Nelke, Vanille und etwas Pfeffer. Dieser Essig passt wunderbar zu Feldsalat, Chicoree oder Radicchio, ist ein köstlicher und gesunder Wintergenuss!

Das Wesen der Brombeere
Vor dem Genuss wartet allerdings ein schmerzhaftes Ringen mit dem Brombeerstrauch um seine Früchte, denn er weiß sie zu schützen!
Kaum eine Frucht bekommt man ohne ein Piken oder Kratzen vom Zweig gezupft und oft bleiben seine Stacheln sogar in der Haut stecken.
Da heißt es wachsam und achtsam sein!
Ein Brombeerstrauch nimmt sich seinen Raum und verteidigt ihn.
Er schützt, was zu ihm gehört, gibt es nicht einfach frei, sondern wehrt sich tapfer. Im Umgang mit ihm fordert er von mir, ganz im hier und jetzt zu sein, klar und zielgerichtet, sonst bekomme ich seine Stacheln zu spüren.
Ähnlich, wie die Brennnessel mit ihren Brennhaaren auch, weckt mich der Brombeerstrauch recht unsanft aus meiner Verträumtheit auf, macht mich wach und präsent- und zugegeben, manchmal auch ein bischen ärgerlich.
Aber gerade in der heutigen, sich ständig verändernden, schnelllebigen und oft ruppigen Zeit ist es wichtig wach, konzentriert und bei sich zu sein.
Vielleicht sollen und dürfen wir genau das von den Brombeeren lernen!?